Kann ich im Bewerbungsgespräch auch eine Schwäche nennen, die man durchaus auch als Stärke sehen kann? In meinem Fall etwa Perfektionismus.

Das ist eine häufig eingesetzte Strategie. Dies bedeutet aber auch, dass Personalverantwortliche relativ oft ähnliche Antworten erhalten. Beachten Sie also in diesem Fall, dass Sie auch eine Situation beschreiben können, in der sich diese Schwäche schon einmal bemerkbar gemacht hat.

Muss ich etwas Bestimmtes beachten, wenn ich mich auf eine Empfehlung hin bewerbe?

Zum einen ist es immer wichtig, dass Sie mit der Person, die das Bindeglied ist, abklären, ob es ihr recht ist, dass Sie ihren Namen erwähnen. Dies ist nicht immer selbstverständlich. Wenn Sie das o.k. der Person haben, sollten Sie das auch nutzen! Lassen Sie die Empfehlung nicht verpuffen, indem Sie nicht darauf eingehen.

Freunde haben mich darauf hingewiesen, dass ich mit meinen Händen sehr heftig gestikuliere. Wie bekomme ich das beim Bewerbungsgespräch in den Griff?

Stark gestikulierende Hände konservieren Ihre Unruhe. Das kann sich negativ auf Ihre Stimme auswirken. Außerdem wirkt es hektisch und kann die Atmosphäre im Gespräch trüben, was wiederum Auswirkungen auf die Gesprächsqualität und die Beziehungsebene haben kann. Konzentrieren Sie sich darauf, ganz bewusst langsamere und kontrolliertere Bewegungen zu machen. Wenn Sie dazu ein Hilfsmittel brauchen, legen Sie Ihre Hand locker auf einen Stift oder Ihren Block.

Muss ich im Bewerbungsgespräch Fragen zu Partei- oder Religionszugehörigkeit beantworten?

Auf diese Frage müssen Sie nur antworten, wenn Sie sich bei einer Einrichtung bewerben, die eine diesbezüglich eindeutige Tendenz zeigen. Hier haben Sie aber meist schon in den Anforderungen der Stellenausschreibung eine diesbezügliche Formulierung.

Was sollte ich bei der Körperhaltung berücksichtigen, wenn ich meinem/r Interviewer/in im Bewerbungsgespräch gegenüber sitze?

Achten Sie auf eine gerade Körperhaltung, aber übertreiben Sie es nicht. Sie müssen sich wohlfühlen aber nicht zu lässig wirken. Angemessen sitzen Sie, wenn Sie die ganze Sitzfläche beanspruchen, beide Füße am Boden haben und die leicht geöffneten Hände auf den Beinen ablegen. Damit signalisieren Sie Zufriedenheit mit der Situation und Gesprächsbereitschaft. Vermeiden sollten Sie, breitbeinig zu sitzen, weil das als überheblich gedeutet werden kann.

Erst nach dem Gespräch ist mir noch eine Frage eingefallen. Ist es in Ordnung, wenn ich am nächsten Tag anrufe?

Das kommt auf die Frage an: wenn es sich um eine grundlegende und banale Frage handelt fragt sich der/die Interviewer/in schon, wieso Sie diese nicht im Gespräch gestellt haben. Ganz besonders dann, wenn Sie kaum eigene Fragen hatten. Sonst ist es selbstverständlich möglich, dass Sie nachträglich etwas fragen. Oft beendet der/die Interviewer/in das Gespräch ja auch mit der Aufforderung: „Wenn noch Fragen auftauchen, rufen Sie mich an“.

Was steckt hinter der Frage „Was erwarten Sie von Ihrem/r zukünftigen Vorgesetzten?“?

Hier geht es darum abzuchecken, welchen Führungsstil Sie sich wünschen und auch, was Ihnen wichtig ist: Gerechtigkeit, Anerkennung, Förderung, etc. Überlegen Sie sich also, was und in welcher Reihenfolge Sie antworten.

Wie beantworte ich im Bewerbungsgespräch die Frage nach meinen beruflichen Zielen?

Mit dieser Frage will der/die Arbeitgeber/in Ihre Arbeitsmotivation durchleuchten. Erwartet wird, dass Sie klar sagen können, welche Ziele und Vorstellungen Sie bezüglich Ihrer beruflichen Karriere haben. Nur wenn Sie selbst wissen, für welche Aufgaben Sie sich voll einsetzen werden, können Sie andere im Gespräch überzeugen. Was begeistert Sie? Darauf kommt es jetzt an. Das können zum Beispiel fachliche Herausforderungen, Erkenntnisgewinn, die Übernahme von mehr Verantwortung, größerer Gestaltungsspielraum, gutes Arbeitsklima oder flexible Arbeitszeiten sein. Sie sollten auf alle Fälle in sich gehen und Ihre Motivation prüfen. Ein sicheres und gutes Einkommen als Hauptgrund nennt man eine extrinsische Motivation – das heißt die Belohnung liegt außerhalb der Arbeit. Intrinsisch motiviert ist ein/e Bewerber/in den/die eine bestimmte Tätigkeit glücklich macht und antreibt. Letzteres wirkt auf Arbeitgeberinnen überzeugender als das finanzielle Motiv. Denn erfolgreich sind in der Regel diejenigen, welche die richtigen Dinge richtig tun.

Was bezweckt der/die Personalverantwortliche mit der Frage nach den Hobbys und Interessen?

Mit diesen Fragen kann ein/e Interviewer/in zwei Ziele verfolgen. Auf der einen Seite soll festgestellt werden, ob sich aus der Ausübung Ihrer Freizeitaktivitäten irgendwelche negativen Auswirkungen auf Ihre berufliche Leistungsfähigkeit ergeben könnten. Andererseits kann auch von der Wahl der Hobbys auf Ihre zugrunde liegenden Persönlichkeitseigenschaften (z.B. Einzel- oder Teamplayer) rückgeschlossen werden.

Idealerweise signalisieren Sie durch die Angabe Ihrer Freizeitaktivitäten

– Gesundheitsbewusstsein (Schwimmen, Radfahren, Wandern …)

– Weiterbildungsbereitschaft (Lesen, Besuch von Seminaren, Kulturevents u.ä.)

– Teamgeist (Ausüben einer Mannschaftssportart)

Am besten Sie vermeiden es, Hobbys bzw. Sportarten anzugeben, die

– mit hohen Verletzungsrisiken verbunden sind (wegen befürchteter Krankenstände);

– auf hohe Risikobereitschaft schließen lassen (z.B. Bungee-Jumping, Paragliding u.ä.) außer das Berufsbild erfordert das;

– mit hohen finanziellen (z.B. Pferdezucht) oder zeitlichen Investitionen (z.B. Weltreisen, „Vereinsmeierei“) verbunden sind, da dadurch der Stellenwert, den Ihr Beruf für Sie besitzt, gering erscheint.

Was interessiert im Bewerbungsgespräch bei der Frage „Wie sollte Ihr/e Vorgesetzte/r oder Ihr/e Kollege/in möglichst nicht sein?“?

Hier geht es nicht so sehr darum, mit welchen Menschentypen Sie mehr oder weniger zurechtkommen, sondern wie gut man mit Ihnen während der Arbeitszeit zwischenmenschlich auskommen kann. Je mehr Anforderungen und Wünsche Sie auf diese Frage hin anführen, umso unwahrscheinlicher wird Ihr tatsächliches Arbeitsumfeld damit harmonieren. Erwecken Sie also besser nicht den Eindruck, dass Ihre Ansprüche an die Wesensmerkmale Ihrer KollegInnen besonders hoch sind. Verwenden Sie stattdessen ein bis zwei Merkmale, die wohl kaum jemand ernsthaft an ArbeitskollegInnen tolerieren würde (z.B. wegen jeder Kleinigkeit einen Zornausbruch bekommen, ständig vor der Arbeit drücken u.ä.).